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Aktuelles - Juli 2010

Mit 65 Jahren fängt ein neues Leben an

Prof. Wolfgang Fahrner hat noch viel vor in aller Welt

65 – kein Endpunkt für Wolfgang Fahrner, ganz im Gegenteil: Für den Leiter des Lehrgebiets Bauelemente der Elektrotechnik der FernUniversität fängt nach 22 Jahren in Hagen schon fast ein neues Leben an. Allerdings eines, das seine Arbeit konsequent weiterführt. Wolfgang Fahrner wird nach seiner Pensionierung am 31. Juli zwar einerseits in sein geliebtes Freiburg zurückkehren, dort andererseits aber wohl eher selten zu finden sein, wenn seine schon recht konkreten Planungen Realität werden: „Ich möchte nicht ‚in ein Loch fallen’, sondern nach meinem eigenen Zeitplan aktiv sein.“


Prof. Wolfgang Fahrner Prof. Wolfgang Fahrner

Ausgangspunkt dafür sind seine Forschungsschwerpunkte Photovoltaik und Nanotechnologie. Gerade für die Solarenergienutzung sieht Prof. Dr. Wolfgang Fahrner angesichts der aktuell diskutierten Stromerzeugung in Afrika für Europa eine helle Zukunft. Schließlich stellten er und sein Team zahlreiche Europa- und Weltrekorde bei der optimalen Ausnutzung dieser umweltfreundlichen Technologie auf. Einer seiner Mitarbeiter erhielt den „Junior Einstein-Award“.

Sich selbst bezeichnete Prof. Fahrner als einen „extremen Hardware-Mann“. Einen Kilometer entfernt vom zentralen Campus ist sein Lehrgebiet in einem Anbau der Fachhochschule Südwestfalen untergebracht, nur hier fand sich genügend Platz für den Reinraum, der fast einzigartig ist in Nordrhein-Westfalen: „Die Fachhochschule war ja ursprünglich auf den Stahlstandort Hagen ausgerichtet. Heute, nach dem tiefgreifenden Strukturwandel, ersetzt das Silizium unserer elektronischen Bauelemente den Stahl.“ Auch an dieser Stelle hat die FernUniversität also einen Beitrag zur Umstrukturierung – dies war einer der Aufträge bei ihrer Gründung – geleistet. Die technische Ausstattung dafür jedenfalls war bestens in Hagen, weitere Reinräume gibt es in NRW noch in Dortmund, Jülich und Aachen – „Das ist die Liga, in der wir spielen“, blickt Prof. Fahrner zurück.

„Ende seiner aktiven Zeit“ heißt nicht, dass Fahrner die Hände in den Schoß legen wird: An der Universität von Nanchang, einer kleinen Stadt von „nur fünf Millionen Einwohnern“ in Südchina, soll er als Direktor ein großes Photovoltaik-Labor aufbauen. Außerdem würde er dort auch lehrend tätig sein. Ein ähnliches Angebot liegt Fahrner von einer brasilianischen Stadt vor, die ihn gerne über den Senior Expert Service – eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit – für sich gewinnen möchte. Zudem wird er auch weiterhin mit der Universität in Salerno kooperieren und dort Vorlesungen halten. Mit Prof. Dr. Heinz-Christoph Neitzert in Salerno arbeitet der Hagener seit vielen Jahren zusammen.

So ist es auch nicht ausgeschlossen, dass zu den über zwei Dutzend Promotionen des Lehrgebiets weitere bei Fahrner als Doktorvater hinzukommen. Rund die Hälfte der Doktorandinnen- und Doktorandenstellen wurden durch Drittmittel finanziert. Für insgesamt 40 Millionen Euro an Drittmitteln war Fahrner verantwortlich . Nicht nur das Land NRW und verschiedene Bundesministerien sowie der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützten seine Forschung, sondern ebenso zahlreiche industrielle Partner. Er brachte zwei Habilitanden auf den wissenschaftlichen Weg. Über 1.000 Veröffentlichungen nach Reviews sind ein weiterer Beweis der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit des Lehrgebietes. Nicht zuletzt erhielt er 15 Patente. Einige seiner Entwicklungen aus der Zeit „vor der FernUni“ umkreisten sogar Jahre lang die Erde.

Auch in seiner Freizeit kann Fahrner nicht von seinen Bauelementen lassen, sammelt Mineralien und Kristalle: „Es gibt sehr viele Beziehungen zur Halbleiterphysik.” Auch die weiteren Hobbys des ehemals aktiven Fußballers sind eng mit der Natur verbunden: Schwimmen, Radfahren und Skilaufen.


Gerd Dapprich | 27.07.2010
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